Madeira

Auf wildromantischen Pfaden in 5 Tagesetappen

durch eine spektakuläre Landschaft

 

Ein Spielplatz für Trailläufer

 

 

 

Das Laufabenteuer im „schwimmenden Garten Europas“ ist was für Hartgesottene.

 

Ein Hinweis: Alle Fotos lassen sich durch Anklicken vergrößern

Die portugiesische Insel Madeira ist eine 740 qkm große gebirgige Vulkaninsel mit tiefen Schluchten, Steilküsten, Felsbuchten und Bergplateaus. Manche Küstenabschnitte und Bergschluchten sind so unzugänglich, dass sie nur auf abenteuerlichen Pfaden zu Fuß erreicht werden können. Silvia und ich waren bei der ersten Auflage des „L´Etoile de Madere“ (Der Stern von Madeira) dabei.

Pünktlich um 09.00 Uhr startete der noble Bus direkt vor unserer Hotelanlage und bringt uns auf einer kurvigen 30-minütigen Fahrt zum Startort der ersten Etappe.

Insgesamt 23 Läufer und 15 Walker nehmen den Prolog unter die Füße. Unter den Teilnehmern, die alle aus Frankreich kommen, sind Silvia und ich die einzigen Deutschen.

Die Läufer müssen eine Strecke von 23,4 Kilometern zurücklegen und die Walker genau die Hälfte. Es ist eine Wendepunktstrecke mit einigen Höhenmetern über steinige Wege und Wurzelpfade. „Einmal hin und das

gleiche wieder zurück, wird bestimmt auf dem Rückweg langweilig“, denke ich mir schon vor dem Start. Doch da habe ich mich aber ganz schön getäuscht. Auf dem Rückweg sah ich eine ganz andere Landschaft. Eine Wendepunkstrecke mit zwei Gesichtern hoch über das Tal von Machico mit prachtvollen Aussichten ist eine gute Einstimmung auf die nächsten Etappen. Nach etwa 17 Kilometern passierte es, ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit und schon lag ich da. „Nur“ mit Abschürfungen an Armen und Beinen und einer schmerzhaften Beckenprellung nochmal glimpflich davon gekommen. Glück gehabt. Das fängt ja schon gut an. Im Ziel, das ich in 1:59.02 Stunden als Vierter erreichte, kamen aber noch mehrere „Gestürzte“ an.

 

Die zweite Etappe führte durch den westlichen Teil der Insel mit berauschenden Tiefblicken zum Atlantik. Über 24,5 Kilometer standen für die Läufer auf dem Plan und für die Walker waren 12 Kilometer vorgesehen. Doch die Streckenmarkierer hatten sich, man kann es fast nicht glauben, ganz schön „verlaufen“. „Bei Kilometerpunkt 21 kommt ihr an einem Kirchlein vorbei und dann geht es drei Kilometer steil hinunter bis zum Ziel“, hieß es am Vortag beim Briefing. Laut

meiner GPS-Anzeige war jetzt aber schon Kilometerpunkt 27 erreicht und von einem Kirchlein war weit und breit nichts zu sehen. Der Franzose Guy und ich sind jetzt irgendwo in einer wilden Schlucht unterwegs. Jammern hilft nicht.

Gemeinsam kämpften wir uns auf schmalen Wegen durch den urwüchsigen Wald weiter.

Nach Kilometerpunkt 30 passierten wir ein Bergdorf und nach 32,7

Kilometern endlich das Ziel! 2:59 Stunden wurden für uns gestoppt, das bedeutete den zweiten Platz. Silvia legte eine 20-Kilometer-Distanz zurück. Für die Walker wird bei allen Etappen keine Zeitnahme durchgeführt. Heute stießen viele Teilnehmer an ihre absolute physische und psychische Belastungsgrenze. Gut acht Kilometer mehr als geplant in schwierigem Gelände müssen erst einmal körperlich und mental verdaut werden und so mancher Trailläufer hatte auf den kommenden Etappen noch daran zu knabbern.

 

Bei der dritten Etappe ging es über 15,6 Kilometer auf alten Pfaden vom sonnigen Süden zur rauen Nordküste. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich auf dem Küstenweg nach Porta da Cruz. Während tief unten die Wellen des Atlantiks unermüdlich gegen die Felswand donnern, ist es ein Genuss auf engen kurvigen Pfaden hoch oben durch den herrlichen Eukalyptus-Kiefern-Akazien-Wald zu laufen. Nach 1:40 Stunden und 1015 Höhenmetern erreichte ich als Fünfter das Tagesziel.

 

Nach der dritten Etappe war ein Ruhetag geplant. Somit konnten wir unsere geschundenen Beine pflegen und die Wehwehchen auskurieren. Einige machten sich auf den Weg, um die Hauptstadt von Madeira zu erkunden: Funchal hat etwa 112 Tausend Einwohner. In einer schönen Blumen- und Blütenpracht präsentiert sich die pulsierende Stadt.  

 

Über schwindelerregenden Levadawegen im grünen Kessel von Madeira verliefen die 15,3 Kilometer der vierten Etappe. Ursprüngliche, feuchte Lorbeerwälder mit dichtem Flechten-, Moos- und Farnbewuchs und unzählige Wasserfälle bilden eine faszinierende Landschaft.

Die glitschigen und holprigen Pfade fordern erhöhte Konzentration, nicht

nur heute. Den Kopf ausschalten und den Autopilot ein, funktioniert nicht. Die Wege sind zu technisch und dadurch extrem schwer zu laufen. Einen Ausrutscher musste der Franzose Gérard mit einer stark blutenden Kopfplatzwunde bezahlen: mit fünf Stichen war der „Schaden“ wieder behoben. Nach 1:28.44 Stunden wird für mich wieder als Vierter die Zeit gestoppt.

 

Mit großem Respekt gehe ich an die letzte Etappe über 16,4 Kilometer heran, wo uns ein knallhartes Höhenprofil herausfordert: 815 Höhenmeter im Anstieg und 1810 Höhenmeter im Abstieg sind nichts für schwache Muskeln und Nerven. Eines ist sicher: Wer sein Pulver schon bei den ersten vier Etappen verschossen hatte, stellte sich quasi einen Blankoscheck für 16 Kilometer Leiden aus. Aus Gründen der eigenen Sicherheit muss jeder Teilnehmer eine Taschenlampe mitführen, weil

einige Tunnels passiert werden.

Vom Pico do Arieiro (1818 m) zum höchsten Punkt, der Pico Ruivo (1862 m), führte der Parcours durch Tunnels, über Stufen und unzählige Kehren durch eine bizarre Gebirgswelt. Doch bevor der höchste Punkt erreicht wurde, ging es 350 Höhenmeter senkrecht hinunter. Teilweise kletternd und an Drahtseilen hangelnd kamen wir dem Gipfel näher. Auf einem luftigen Grat, sozusagen auf dem Rückgrat Madeiras, überschreiten wir Madeiras Zentralgebirge. Oft war der Pfad zwischen

Felswand und Abgrund schmaler als ein Meter und lässt das Rennen mitunter zu einem waghalsigen Unternehmen werden.

Die Wetterbedingungen haben sich inzwischen drastisch geändert. Wurden beim Start noch warme 25 Grad gemessen, ist die Temperatur inzwischen auf gefühlte 5 Grad abgesunken.

Das Klima ist jetzt rauer: Feuchter Nebel, schlechte Sicht und ein heftiger kalter Wind setzten den Trailläufern zu.

Die letzten zwei Kilometer führten vom Encumeadapass auf einem

Asphaltsträßchen steil hinunter zum Ziel, das ich als Fünfter nach 2:56.38 Stunden glücklich erreichte.

 

Dieses Laufabenteuer hat seinen besonderen Charakter. Es gibt kaum was Flaches. Entweder es geht hoch oder runter, und das brutalst. Selbst für versierte Trailläufer sind einige Passagen schwindelerregend.

 

Auch die Atmosphäre unter den Sportlern war sehr angenehm. Oft saß man abends gut gelaunt beisammen.

Ein großes Lob verdiente ebenfalls der französische Veranstalter Serge Morel, der die fünf Tagesetappen auf der ganzen Insel verstreut in den landschaftlich reizvollsten Gebieten legte.

Vom Hotel aus wurden die Sportler mit dem Bus zu den verschiedenen Startorten gefahren und im Ziel wieder abgeholt.

 

Die besten vier Trailläufer von links: Eric Lacroix (2. Platz / 10:47.01 Std.), Francis Santos Gomes (4. Platz / 11:21.40 Std.), Gesamtsieger Pierre Schillinger (10:08.39 Std.) und meine Wenigkeit (3. Platz / 11:03.24 Std.)

Insgesamt wurden 103,4 Kilometer und 5845 Höhenmeter bewältigt.

 

Silvia meisterte bravourös eine Gesamtdistanz von 70 (siebzig)  Kilometern. Beim Walkingwettbewerb wurde keine Zeitnahme durchgeführt.

 

Wer exotische Landschaftsläufe liebt, Geschicklichkeit auf unwegsamen Wegen beweist und eine große Portion Ausdauer besitzt, wird beim L´Etoile de Madere viel Spaß haben.

 

Serge und Cathy Morel aus Frankreich organisieren weltweit Abenteuer- und Extremläufe. Wer ein Faible für Abenteuerlaufe besitzt und nicht zimperlich ist, wird tolle Lauferlebnisse erleben und Regionen kennen lernen, die ein Pauschaltourist nie zu sehen bekommt:

 

Nature Extreme Developpement 

 

Weiter Infos zum Veranstalter gerne auch über mich!

 

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