"Alpenüberquerung - Hart aber herzlich"

Der Transalpine-Run zählt zu einer der weltweit härtesten Prüfungen für Berg- und Trailläufer. In acht Tagen waren über 310 Kilometer und 13 800 Höhenmeter im Anstieg zu bewältigen, bevor das Ziel im italienischen Ort Sexten erreicht wurde. Die neu gestaltete Route der diesjährigen Alpenüberquerung, mit Start in Ruhpolding, ließ selbst erfahrene Transalpine-Läufer nicht kalt.

Biathlon-Legende Fritz Fischer gab den Startschuss und schickte 278 Zweierteams auf eine extrem harte Route, gepaart mit den landschaftlichen Schönheiten der Alpen.

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Der Prolog wurde mitunter zu einer Schlamm- und Regenschlacht. Zwar verlangte diese Etappe mit über 1200 Aufstiegshöhenmetern noch keine ausgeprägten Kletterfähigkeiten, aber 37 Kilometer kratzten doch schon knapp an der Marathondistanz.

Zum Teil bei strömenden Regen legten wir die Strecke durch die Chiemgauer Alpen, vorbei an der Winkelmoosalm über die Steinplatte nach Waidring im Strubtal und weiter auf herrlichen Wanderwegen zum idyllisch gelegenen Etappenziel nach St. Ulrich am Pillersee zurück.


Bereits die zweite Etappe (33 Kilometer) entpuppte sich als echter Prüfstein. Gleich nach dem Start in St. Ulrich (852 m) ging es steil auf den 1678 Meter hohen Kirchberg und konnten dort, nachdem wir die Wolkendecke durchbrochen hatten, phantastische Ausblicke in die Bergwelt bei errlichem Wetter genießen.

Es folgte ein langer Abstieg zur Pillersee Ache (719 m), wo der zweite Anstieg, zunächst auf den Reisenberg Kogel (1332 m) und dann hinauf zum Alphaus (1670 m) am Kitzbüheler Horn wartete.

Der anschließende finale Abstieg über 1000 Höhenmeter zum Glamour-Ort Kitzbühel (755 m) war eine enorme Dauerbelastung für die bremsende Oberschenkelmuskulatur.


Als großer Vorteil bei dieser Tour erwiesen sich Alpinstöcke, die von vielen Läufern eingesetzt wurden. Bergab dienten sie als "Bremskraftverstärker" und bergauf unterstützen sie den "Allradantrieb".

"Dort anfangen wo andere aufhören"

Die dritte Etappe, eine der beiden Königsetappen, war mit über 2200 Höhenmetern und knapp 47 Kilometern der längste Abschnitt. Schon der Auftakt über die weltberühmte "Streif" zum Hahnenkamm wäre für sich genommen schon ein knallharter Berglauf. Da fängt aber der Transalpine erst so richtig an.

Nachdem die Bergstation (1668 m) am Hahnenkamm passiert wurde, führte die Strecke über den Pengelstein (1938 m) permanent bergauf und bergab durch die Kitzbüheler Alpen bis zum Stangenjoch (1713 m) und weiter zum Wildkogelhaus (2000 m).

Beim Aufstieg zum Schöntaljoch (2029 m) wurde die himmlische Ruhe plötzlich durch laute Motorengeräusche unterbrochen. Alle Blicke richteten sich gen blauen Himmel. Der Rettungshubschrauber war im Anflug. Das bedeutete nichts Gutes. Ein 39jähriger Läufer aus dem Allgäu musste auf 2100 Meter Höhe im unwegsamen Gelände mit Verdacht auf Sprunggelenksfraktur geborgen werden. Für ihn war das Rennen gelaufen. Diese Aktion mahnte uns weiterhin zur besonderen Vorsicht.

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Dem Gratverlauf folgend über Schneefelder und morastigem Untergrund erreichten wir den dritten Verpflegungspunkt (Kilometerpunkt 36) an der Bergstation Wildkogelbahn (2186 m).

Der großartige Ausblick auf die 3000er der Venedigergruppe im Nationalpark Hohe Tauern entschädigte für die Strapazen, bevor es extrem steil hinab ging nach Neukirchen am Großvenediger (877 m).

 

Bei der vierten Etappe (44 Kilometer und 2000 Anstiegshöhenmeter) überquerten wir den Alpenhauptkamm und erreichten Prettau im Ahrntal (Südtirol). Zunächst ging es noch moderat bei wechselhaftem Wetter ins Krimmler Achental, vorbei an den gleichnamigen Wasserfällen Richtung Birnlücke.

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Nach dem Krimmler Tauernhaus erfolgte einer der schwersten Anstiege: Innerhalb von 3,5 Kilometer waren 865 Höhenmeter zu erklimmen!

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Zudem mussten wir noch mit eisigem und stürmischem Wind kämpfen um zum höchsten Punkt (Birnlücke 2669 m) unserer Tour zu gelangen. Die Temperaturen lagen hier oben um den Gefrierpunkt. Zu einem gefährlichen Unterfangen wurde die anschließende Querung eines Schneefeldes am Gratverlauf. Ausgerechnet hier musste ein vorwitziger Läufer überholen. Und so musste es schließlich auch kommen. Dieser unverbesserliche Zeitgenosse rutschte aus und konnte sich aber gerade noch abfangen. Diesen puren Leichtsinn hätte er fast mit dem Leben bezahlt. Einen freien Fall in den 1000 Meter tiefer gelegenen Talboden hätte er wohl nicht überlebt. Für sein riskantes Verhalten erhielt er von allen Augenzeugen eine ordentliche verbale Abreibung.

Wegen den widrigen Umständen und den enormen Schwierigkeiten auf dieser Etappe wurde vom Veranstalter das Zeitlimit aufgehoben, sonst hätte es für Einhundert Zweierteams das frühzeitige Aus bedeutet.
Etappe Nummer fünf war laut Routenplan mit 29,4 Kilometern die kürzeste. Aber ein Murenabgang zwang die Organisatoren zu einer Umleitung. Daraus wurden dann 34,4 Kilometer und wiederum satte 1800 Meter Anstiegsleistung. Immer mit Blick auf die Zillertaler Alpen führte diese Etappe von Prettau im Ahrntal (1467 m) nach Sand in Taufers (872 m). Und wieder stieß die Route in hochalpines Gelände vor, wo mit der Bretterscharte (2537 m) der zweithöchste Punkt erreicht wurde. Eindrucksvoll, aber lauftechnisch sehr schwierig, war die lange Traverse an den Südhängen des Reintals.


Dramen spielten sich bei der sechsten Etappe (1500 Höhenmeter) ab. Nicht nur physisch sondern auch psychisch gelangten die Alpenüberquerer so langsam an ihre Grenzen. Schon wenige Kilometer nach dem Start kauerte am Wegesrand eine junge Läuferin, gebeutelt von Weinkrämpfen und scheinbar seelisch am Ende. Doch nach wenigen Minuten hatte sie sich von ihrem mentalen Einbruch erholt und bewältigte die knapp 40 Kilometer lange Distanz bis nach St. Vigil (1191 m), die entlang des Tauferer Tales nach Bruneck und dann auf einen endlos scheinenden Anstieg hinauf auf den Kronplatz (2275 m) führte. Beim Aufstieg musste eine weiterer Läufer vorzeitig entkräftet aufgeben. Jetzt war die Sicht frei auf die Dolomiten. Der finale Downhill nach St. Vigil (1191 m) wirkte dagegen wie eine Erlösung.

Ein Highlight auf das andere folgte bei der vorletzten Etappe von St. Vigil nach Niederdorf (1164 m). Der kurze knackige Anstieg zur Senneshütte (2126 m) hatte es in sich, wo es extrem steil in kurzen Kehren auf die Senneshochfläche, eine der schönsten Hochalmen in den Dolomiten, ging.

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Über die Seekofelhütte (2327 m) wurde über einen schwierigen Abstieg, teilweise im Fels mit Stahlseilen gesicherten Steigen, der Pragser Wildsee (1494 m) erreicht.

 

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Ein weiterer Anstieg über die Weißlahnscharte (2194 m) folgte und somit war heute die Marathonetappe (42,2 km) mit fast 2000 Höhenmetern als "hammerhart" einzustufen.

 

"Der Laufstil gibt Aufschluss über die muskuläre Situation der Beine, Knie und Füße.
Manche sind nur noch humpelnd unterwegs".

Mit zunehmender Renndauer häuften sich auch die kleineren und größeren Wehwehchen. Die medizinische Abteilung glich einem Lazarett. Über 280 Sportler nahmen täglich medizinische Behandlung in Anspruch. Das Teilnehmerfeld (556 Sportler) lichtete sich beängstigend. Über 117 Starter erreichten nicht das Endziel (Ausfallquote 21%!).


Von Niederdorf im Pustertal zum herrlich gelegenen Dolomitenort Sexten (1310 m) führte die Schlussetappe. Doch bevor die Ziellinie überquert werden konnte, hieß es noch einmal 34 Kilometer (1300 Aufstiegshöhenmeter) zu absolvieren, die uns bis aufs Letzte forderten.

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Die Kulisse dieser Etappe könnte allerdings nicht atemberaubender und schöner sein, denn mit den Drei Zinnen, dem Wahrzeichen der Dolomiten, erfolgte der Zieleinlauf dann vor einer wahrhaft spektakulären Szenerie!

Bei jedem Etappenstart dröhnte aus den Lautsprecherboxen der Kultsong der Rockgruppe AC/DC "Highway to hell". Unter diesem Motto stand auch der 6. Transalpine-Run. Die Extremsportler mussten sich teilweise aber auch höllisch anstrengen auf ihrer langen Route. Die Alpen auf eigenen Füßen überquert zu haben ist schon was Besonderes und man sah es auch da allen Finishern an, das Gefühl des himmlischen Glücks.

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Zahlen und Fakten:

Platzierungen:
Mit einer Gesamtlaufzeit von 46:20 Stunden finishte ich und belegte somit einen guten Mittelfeldplatz (31. Platz) im Gesamtklassement unter den Individual-Läufern.
Das oberfränkische Team RENNTIERE JU-EL mit Elke Fassold (Rechts / Seybothenreuth) und Jutta Höhn (Mitte / Bayreuth) landete mit der Zeit 56:11Stunden auf Platz 8 in der Frauenwertung.

 

Höhenprofil:
13 800 Höhenmeter im Aufstieg und 13 400 Höhenmeter im Abstieg ergibt 27 200 Höhenmeter, die bewältigt wurden.

 

Streckenprofil:
Etwa 39,7 % (ca. 123 km) verlaufen auf Wanderwegen und schmalen Bergpfaden die Trittsicherheit erfordern. Rund 40,3 % ca. (125 km) sind Forstwege und nur 20 % (ca. 62 km) werden auf Asphalt zurückgelegt.

 

Zeitlimit:
In einer Stunde müssen mindestens 7 Kilometer horizontal und 500 Höhenmeter vertikal bewältigt werden, um im Zeitlimit zu bleiben.

 

Energieverbrauch:
(Mann, 69 kg, 180 cm): 4000 bis 4500 Kalorien pro Etappe. Das entspricht etwa 4 kg Kartoffeln plus 10 Eier plus eine Dreiviertel Packung Butter.
Dazu kommt noch ein Flüssigkeitsverlust von 5 bis 6 Litern pro Etappe.

 

Belastung:
Die Kräfte, die bei den Abstiegen auf Gelenke, Muskeln und Menisken wirken, entsprechen dem 7 bis 8-fachen des Körpergewichts.

 

Verpflegung:
An den insgesamt 22 Verpflegungsstationen wurde ordentlich gefuttert. 560 Kilo Bananen waren es, dazu 420 Kilo Orangen, 84 Melonen, 196 Kuchen, 3500 Energieriegel und 2800 Energie-Gels.

 

Teilnehmerstatistik:
Teilnehmer aus 26 Nationen waren vertreten. Darunter auch Starter aus Alaska, Australien und Israel. Von den 278 gestarteten Teams schieden 96 Teams aus. Am schnellsten war, wie im Vorjahr, das schottische Profiteam "SALOMON TRAIL TEAM" mit Andy Symonds und Tom Owens mit der Gesamtlaufzeit von 28:29 Stunden.

 

Bekleidung/Ausrüstung:
Die Mitnahme folgender Ausrüstung während des kompletten Wettkampfs ist vorgeschrieben:
· Jeder Teilnehmer: Regenbekleidung bzw. Überbekleidung als Regenschutz (mind. wasserdichte Regenjacke).
· Jeder Teilnehmer: Warme Kleidung als isolierende Zwischenschicht unter der Überbekleidung (für schlechte Witterung, die im Hochgebirge überraschend einsetzen kann).
· Jeder Teilnehmer: Handschuhe und Mütze.
· Jedes Team: Notfallausrüstung (Erste-Hilfe-Set und Rettungsdecke).
· Jedes Team: Trailbook mit Kartenausschnitt, Detailplan und Höhenprofil der jeweiligen Etappe.
· Jedes Team: Ein Rucksack (z.B. Laufrucksack) oder Hipbag.
· Handy

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